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31 März

Wie ein Dorf für Kranke und Alte einkauft

Bringsservice läuft gut an – Ortschef Rolf Hans richtet deutlichen Appell an Niederzissener.

Der Einkaufs- und Bringservice der Gemeinde Niederzissen für kranke oder ältere Mitbürger ist gut angelaufen. Nach schleppendem Beginn haben die freiwilligen Helfer und der Koordinator der Aktion, Ortsbürgermeister Rolf Hans, inzwischen einiges zu tun, um die Versorgung ihrer wegen der Corona-Krise ans Haus gefesselten Mitmenschen sicherzustellen.

Mit einer Presseveröffentlichung wurden die Niederzissener Senioren auf die Hilfsmaßnahme aufmerksam gemacht. Parallel dazu wurden freiwillige Helfer angeworben. Inzwischen haben sich 23 Hilfswillige gemeldet, die bereit sind, die Aktion der Gemeinde zu unterstützen. „Ich weiß aber auch aus Gesprächen, dass es darüber hinaus viel Nachbarschaftshilfe bei Einkäufen oder Arztbesuchen gibt“, sagt Ortsbürgermeister Rolf Hans.

Weiterhin helfen ortsansässige Firmen bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben. So werden vom REWE-Markt die eingegangenen Bestellungen kommissioniert, sodass die Ware nur noch bezahlt, abgeholt und an die Hilfesuchenden ausgeliefert werden muss. Die Firma Schiele stellt zudem kostenlos Verpackungsmaterial und bei Bedarf auch Fahrzeuge für die Auslieferung zur Verfügung. Auch der Ortsbürgermeister geht beispielhaft voran und überlässt den Helfern bereitwillig sein Auto für die Serviceaktion.

Schon beim Starkregen von 2014 habe er die Erfahrung gemacht, dass es in Niederzissen eine ausgeprägte Solidarität in Krisenzeiten gebe. Damals habe nicht nur die jeweilige Nachbarschaft bei den Aufräumarbeiten geholfen, sondern es seien Bürger aus dem gesamten Gemeindegebiet gekommen und hätten mit angepackt. Auf diesen Zusammenhalt könne sich die Gemeinde auch in dieser Krisensituation verlassen, so der Gemeindechef. „Deshalb mein Appell an den betroffenen Kreis der älteren und kranken Mitbürger: Nehmen sie den Einkaufsservice der Gemeinde in Anspruch, schützen sie sich und andere. Die Gemeinde verfügt über genügend Kapazitäten, den eingerichteten Hilfsdienst zu leisten.“

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Und so funktioniert es: Ältere und kranke Mitbürger können bei der Gemeindeverwaltung (Telefon-Nr. 800680) vormittags zwischen 9 und 12 Uhr eine Bestellung von Lebens- oder auch Arzneimitteln durchgeben. Die Helfer erhalten dann vom Ortsbürgermeister die Bestelllisten, die Verpackungskartons und einen Bargeldbetrag von bis zu 75 Euro pro Einkauf. Die Besteller werden nach der Besorgung telefonisch über ihren Rechnungsbetrag informiert und deponieren das Geld in einem verschlossenen Umschlag an der Haustür. Die Ware wird dort abgestellt, sodass kein direkter Kontakt entsteht.

„Sollten die Besteller kein oder nicht genügend Geld vorrätig haben, so wird der Betrag von der Gemeinde vorgestreckt und später eingefordert“, erklärt der Ortsbürgermeister. Einkäufe werden übrigens nur in Niederzissener Geschäften getätigt. Dazu zählen die Apotheken, der REWE- und der Norma-Markt sowie die Metzgerei Wagner und die Bäckerei Mattern. Für Einkaufsfahrten steht das gemeindeeigene Fahrzeug zur Verfügung. „Wir werden Fälle erleben, die in diesen Regelungen nicht enthalten sind. Aber auch diese Probleme werden wir lösen“, verspricht der Ortschef.

Bild: Frauke Stoll ist eine der Freiwilligen, die sich an der Hilfsaktion der Gemeinde bei der Versorgung von Alten und Kranken beteiligt.

Foto:  ©Hans-Willi Kempenich
Text:  ©Hans-Willi Kempenich

Zuletzt aktualisiert: Dienstag, 31. März 2020 11:29