Ortsgemeinde Niederzissen

Niederzissen als Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Brohltal und Mittelpunkt des „Zissener Ländchens“ liegt in einem einzigartigen Seitental des Rheins mit vielen landschaftlichen Reizen und einer Fülle erd- und kulturgeschichtlicher Besonderheiten. Über Niederzissen führt der Talweg vom Rhein in die „Hohe Eifel“, eingeengt und bedrängt von gewaltigen Vulkanbergen. Der erhabenste unter ihnen ist der Bausenberg, den die Wissenschaft als besterhaltensten Hufeneisenkrater Deutschlands, wenn nicht sogar als den schönsten Europas bezeichnet.

Zu Füßen dieses Berges liegt der Ort Niederzissen inmitten des Vulkanparks „Brohltal/Laacher See“. Den westlichen Abschluss der hier beginnenden Talerweiterung bildet der ebenso mächtige Phonolithkegel mit der weithin sichtbaren Burg Olbrück. Mit ihrem gewaltigen, wohl erhaltenen und renovierten Bergfried erhebt sich die Burg Olbrück über das sog. Ländchen und gilt seit alters her als dessen Wahrzeichen. Im Ortsbild Niederzissens ragen als kulturgeschichtliche Denkmäler die Pfarrkirche, eine ehemals dreischiffige Pfeilerbasilika und das ihr gegenüberliegende ehemalige Zehnthaus hervor. Die Kirche im spätromanischen Stil wurde 1250 geweiht.

Doch geht die historische Entwicklung des Ortes viel weiter zurück. Es besteht bei den Forschern kein Zweifel darüber, dass Niederzissen eine der ältesten Siedlungen im weiten Umkreis ist. Die ältesten Funde reichen zurück bis in die Jungsteinzeit. Es handelt sich dabei um ein Fragment und um ein Schneidenstück eines Jadeitbeiles, das im Landesmuseum Bonn aufbewahrt ist.

Es wird allgemein angenommen, dass der Name „Zissen“ von den Kelten stammt und soviel wie „rückwärts“, d.h. „etwas vom Rheinstrom rückwärts gelegener Ort“ bedeutet. Funde von Waffen und Werkzeugen bezeugen, dass hier einmal Kelten gesiedelt haben. Aber auch römische Siedlungen sind bewiesen durch Funde und Ausgrabungen in der Nähe der alten Römerstraße von Sinzig über Mayen nach Trier. Aus diesem Grund ist auch eine zweite Deutung des Ortsnamens herleitend vom Götternamen Cissonius möglich.

Erstmals urkundlich erwähnt wird Zissen in einer Schenkungsurkunde ohne Datum für das St. Cassiusstift in Bonn. Es ist heute anerkannt, dass diese Urkunde im 9. Jh. n. Ch. erstellt worden ist. Eine weitere Erwähnungen Zissens erfolgte in der gefälschten Urkunde vom Jahre 1103, in der das Stift St. Stephan in Mainz dem Kloster Ravengiersburg angeblich einen Hof in Zissen übertragen haben soll. Die erste definitive Beurkundung Zissens fällt in das Jahr 1179. Papst Alexander III. bestätigt seinem Sohn Adalbert II. von Metz einen Besitz in Zissen.


Zissen gehörte von etwa 1150 (Gründung der Burg Olbrück) bis zum Beginn der Franzosenzeit 1794 zur Herrschaft Olbrück. In seiner wechselvollen Geschichte blieb der Ort nicht von Katastrophen und kriegerischen Ereignissen verschont. Als die Schweden 1642 die Olbrück belagerten, wurden die umliegenden Dörfer ausgeplündert und gebranntschatzt. Im Jahr 1834 wurde das ganze „Oberdorf“ ein Raub der Flammen. Etwa 20 Wohnhäuser und noch mehr Nebengebäude fielen den Flammen zum Opfer. Am 11. Juni 1859 riss der Brohlbach, durch ein Unwetter zu einem reißenden Strom geworden,  Gebäudeteile, Möbel, Menschen und Vieh mit sich. 19 Menschenleben waren zu beklagen. Seit diesem Tag unternimmt die Pfarrgemeinde alljährlich eine Wallfahrt nach Fraukirch in der Nähe von Mendig.

Seit der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress 1815 gehört Niederzissen zum Kreis Ahrweiler. Zunächst zur Bürgermeisterei Königsfeld gehörend, wurde Niederzissen im Jahre 1883 Bürgermeisterort und Sitz der Verwaltung der Bürgermeisterei. Durch die Gebietsreform in Rheinland-Pfalz Ende der 60iger, Anfang der 70iger Jahre des vorigen Jahrhunderts ist Niederzissen Verwaltungssitz der 1970 gegründeten Verbandsgemeinde Brohltal.